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Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes senkte Retatrutid sowohl den Blutzucker als auch das Körpergewicht. In der Phase-3-Studie TRANSCEND-T2D-1 sank das HbA1c nach 40 Wochen mit 12 mg um 1,94 Punkte und das Körpergewicht um 15,3 Prozent. In der Phase-2-Studie senkten Dosen ab 8 mg den Blutzucker stärker als Dulaglutid, ein GLP-1-Arzneimittel zur Behandlung von Diabetes. Unten fassen wir die Ergebnisse von drei Studien bei Menschen mit Diabetes zusammen, Dosis für Dosis.

Warum wird Retatrutid bei Typ-2-Diabetes untersucht?

Retatrutid wirkt auf drei Rezeptoren zugleich: GLP-1, GIP und den Glukagonrezeptor. Die ersten beiden sind Rezeptoren für Darmhormone, die nach einer Mahlzeit die Insulinausschüttung steigern. Auf dieselben Rezeptoren wirken Semaglutid und Tirzepatid, die beide zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen sind.

Die Autoren der Phase-2-Studie nennen noch einen weiteren Grund. Nach den aktuellen Leitlinien ist die Gewichtskontrolle bei Typ-2-Diabetes genauso wichtig wie die Einstellung des Blutzuckers. Ein Mittel, das beides zugleich leistet, erfüllt zwei Behandlungsziele auf einmal.

Was zeigte die Phase-2-Studie?

Die Phase-2-Studie umfasste 281 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes in 42 Zentren in den USA. Die Ergebnisse erschienen 2023 in The Lancet. Die Teilnehmenden hatten im Mittel seit 8,1 Jahren Diabetes und wurden mit Ernährung, Bewegung oder Metformin behandelt. Verglichen wurden mehrere Dosen Retatrutid mit Placebo und mit Dulaglutid 1,5 mg.

Gruppe HbA1c-Senkung nach 24 Wochen Gewichtsverlust nach 36 Wochen
Retatrutid 0,5 mg 0,43 Punkte 3,19 Prozent
Retatrutid 4 mg 1,30 bis 1,39 Punkte 7,92 bis 10,37 Prozent
Retatrutid 8 mg 1,88 bis 1,99 Punkte 16,34 bis 16,81 Prozent
Retatrutid 12 mg 2,02 Punkte 16,94 Prozent
Dulaglutid 1,5 mg 1,41 Punkte 2,02 Prozent
Placebo 0,01 Punkte 3,00 Prozent

Die Spannen bei 4 und 8 mg ergeben sich aus zwei Startvarianten, ab 2 mg oder ab einer höheren Dosis. Bei 8 mg mit langsamem Start und bei 12 mg sank der Blutzucker deutlich stärker als unter Dulaglutid. Ab 4 mg senkte Retatrutid das Körpergewicht klar stärker als Dulaglutid und Placebo. Die Ergebnisse nach 36 Wochen bestätigten das, was nach 24 Wochen zu sehen war.

Was zeigte TRANSCEND-T2D-1?

TRANSCEND-T2D-1 ist eine Phase-3-Studie, in der Retatrutid das einzige blutzuckersenkende Mittel war. Sie umfasste 537 Menschen, deren Diabetes mit Ernährung und Bewegung nicht mehr ausreichend eingestellt war. Der Diabetes bestand erst kurz, im Mittel 2,5 Jahre, und der mittlere BMI lag bei 35,8. Die Ergebnisse erschienen im Juni 2026 in The Lancet.

Ergebnis nach 40 Wochen 4 mg 9 mg 12 mg Placebo
HbA1c-Senkung 1,69 Punkte 1,86 Punkte 1,94 Punkte 0,81 Punkte
Gewichtsverlust 11,5 Prozent 13,9 Prozent 15,3 Prozent 2,6 Prozent

Zu Beginn lag das mittlere HbA1c bei 7,9 Prozent. Eine Senkung um 1,94 Punkte mit 12 mg bringt den Mittelwert also in die Nähe von 6 Prozent. 91 Prozent der Teilnehmenden schlossen die Behandlung über die gesamte Studiendauer ab.

Niemand in dieser Studie hatte eine schwere Unterzuckerung, also einen gefährlichen Abfall des Blutzuckers. Die Nebenwirkungen waren meist leicht oder mittelschwer, betrafen den Verdauungstrakt und ließen mit der Zeit nach. Deswegen brachen 2 bis 5 Prozent der Personen unter Retatrutid die Behandlung ab.

Was zeigte TRIUMPH-2?

TRIUMPH-2 prüfte Retatrutid bei Menschen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes über 80 Wochen. Die Studie umfasste 1152 Personen aus 92 Zentren in acht Ländern. Der mittlere BMI lag bei 38,2, und der Diabetes bestand im Mittel seit 5,6 Jahren. Die Ergebnisse erschienen am 29. September 2026 in The Lancet.

Nach 80 Wochen sank das Körpergewicht um 11,9 Prozent mit 4 mg, um 16,8 Prozent mit 9 mg und um 18,8 Prozent mit 12 mg. In der Placebogruppe waren es 5,1 Prozent. Die Autoren berichten auch über eine bessere Blutzuckereinstellung, die Zusammenfassung der Arbeit nennt diese Zahlen jedoch nicht. Die Behandlung bis zum Ende schlossen 84 Prozent der Teilnehmenden ab.

Was passiert mit Appetit und Körperfett?

Bei Dosen ab 4 mg berichteten Teilnehmende mit Diabetes schon nach 24 Wochen über weniger Appetit und Hunger. Das ergab eine gesonderte Auswertung der Phase-2-Studie aus dem Jahr 2025. Bei 8 und 12 mg nahm auch die Neigung zu übermäßigem Essen ab, zum Beispiel unter Stress. Je stärker der Hunger sank, desto größer war der Gewichtsverlust.

Eine zweite Auswertung derselben Studie maß die Körperzusammensetzung mit DXA, also einer Röntgenmessung mit niedriger Dosis. Das Körperfett nahm nach 36 Wochen um 23,2 Prozent mit 12 mg und um 26,1 Prozent mit 8 mg ab. In der Placebogruppe waren es 4,5 Prozent. Der Anteil der fettfreien Masse am gesamten Verlust war ähnlich wie bei anderen Arzneimitteln gegen Adipositas.

Was ist mit Nieren, Blutfetten und Entzündung?

Mit 12 mg sank die Eiweißmenge im Urin bei Menschen mit Diabetes um 37,0 Prozent im Vergleich zu Placebo. Eiweiß im Urin ist eines der ersten Zeichen einer Belastung der Nieren. Die Nierenfiltration änderte sich im Vergleich zu Placebo nicht. Dieses Ergebnis stammt aus einer Auswertung, die 2025 in Kidney International Reports erschien.

Retatrutid senkte auch Blutfette, die mit dem Risiko für Herzerkrankungen verbunden sind. Bei Menschen mit Diabetes sank das Nicht-HDL-Cholesterin um bis zu 21,0 Prozent und das Apolipoprotein B um 21,4 Prozent. Das sind Ergebnisse einer Auswertung aus dem Jahr 2026, die beide Phase-2-Studien umfasst.

Wie schneidet Retatrutid im Vergleich zu Tirzepatid ab?

Einen direkten Vergleich der beiden Moleküle bei Menschen mit Diabetes gibt es bisher nicht. Man kann jedoch die Ergebnisse getrennter Studien nebeneinanderstellen und dabei die Unterschiede zwischen den Gruppen bedenken. Tirzepatid senkte das HbA1c in fünf SURPASS-Studien um 1,87 bis 2,58 Punkte. Einzelheiten beschreibt der Leitfaden zu Tirzepatid und den SURPASS-Studien.

Retatrutid erreichte in TRANSCEND-T2D-1 bis zu 1,94 Punkte bei kurz bestehendem Diabetes. Die Stärke von Retatrutid ist das Körpergewicht, denn der Verlust von 15,3 Prozent nach 40 Wochen wurde mit Retatrutid allein erreicht, ohne andere Arzneimittel. Den Vergleich der drei Moleküle bei Menschen ohne Diabetes finden Sie im Leitfaden Semaglutid vs. Tirzepatid vs. Retatrutid.

Wo kann man Retatrutid kaufen?

Im Shop gibt es Retatrutid in drei Varianten von drei Herstellern. Retatrutid 20 mg Bio-Peptide kostet 200 EUR und ist sofort lieferbar. Retatrutid 20 mg Genheal kostet 200 EUR und ist auf Bestellung erhältlich. Retatrutid 40 mg Nouveaux im Pen kostet 350 EUR, also 8,75 EUR pro Milligramm statt 10 EUR.

Retatrutid ist kein zugelassenes Arzneimittel, und die Produkte im Shop sind Material für die Laborforschung. Die Behandlung von Diabetes führt ein Arzt, und kein Forschungsmaterial ersetzt sie. Den Verlauf der Abnahme über die Monate beschreibt der Leitfaden zur Wirkung von Retatrutid, und alle Varianten finden Sie auf der Seite Retatrutid.

Häufige Fragen

Wie stark senkt Retatrutid den Blutzucker bei Typ-2-Diabetes?

In TRANSCEND-T2D-1 sank das HbA1c nach 40 Wochen je nach Dosis um 1,69 bis 1,94 Punkte. In der Placebogruppe betrug die Senkung 0,81 Punkte.

Wirkt Retatrutid stärker als Dulaglutid?

In der Phase-2-Studie senkten 8 mg mit langsamem Start und 12 mg den Blutzucker deutlich stärker als Dulaglutid 1,5 mg. Das Körpergewicht senkten sie um ein Vielfaches stärker.

Wie viel nehmen Menschen mit Diabetes unter Retatrutid ab?

In TRIUMPH-2 sank das Körpergewicht nach 80 Wochen mit 12 mg um 18,8 Prozent. In TRANSCEND-T2D-1 waren es 15,3 Prozent nach 40 Wochen.

Hat Retatrutid gefährliche Unterzuckerungen verursacht?

In der Phase-2-Studie und in TRANSCEND-T2D-1 wurde keine einzige schwere Unterzuckerung festgestellt. Die häufigsten Nebenwirkungen betrafen den Verdauungstrakt.

Ist Retatrutid ein Diabetesmedikament?

Es ist noch in keinem Land zugelassen. Die Ergebnisse von zwei Phase-3-Studien bei Menschen mit Typ-2-Diabetes erschienen 2026.

Quellen

  1. Rosenstock J, Frias J, Jastreboff AM et al. Retatrutide, a GIP, GLP-1 and glucagon receptor agonist, for people with type 2 diabetes: a phase 2 trial conducted in the USA. The Lancet, 2023, 402(10401): 529-544. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(23)01053-X
  2. Bajaj HS, Welch M, Shah P et al. Efficacy and safety of retatrutide in people with type 2 diabetes and inadequate glycaemic control with diet and exercise (TRANSCEND-T2D-1). The Lancet, 2026, 407(10546): 2402-2413. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(26)00967-0
  3. Bellido V, le Roux CW, Ekinci EI et al. Retatrutide in adults with obesity and type 2 diabetes (TRIUMPH-2). The Lancet, 2026. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(26)01861-1
  4. Kanu C, Boye KS, Poon JL et al. Appetite, eating attitudes, and eating behaviours during treatment with retatrutide in adults with type 2 diabetes: Results of a phase 2 study. Diabetes, Obesity and Metabolism, 2025, 27(12): 6988-6998. https://doi.org/10.1111/dom.70097
  5. Coskun T, Wu Q, Schloot NC et al. Effects of retatrutide on body composition in people with type 2 diabetes: a substudy of a phase 2 trial. The Lancet Diabetes and Endocrinology, 2025, 13(8): 674-684. https://doi.org/10.1016/S2213-8587(25)00092-0
  6. Heerspink HJL, Lu Z, Du Y et al. The Effect of Retatrutide on Kidney Parameters in Participants With Type 2 Diabetes Mellitus and/or Obesity. Kidney International Reports, 2025, 10(6): 1980-1992. https://doi.org/10.1016/j.ekir.2025.03.049
  7. Ruotolo G, Harris C, Lin Y et al. Retatrutide-Associated Improvements in Cardiovascular Risk Biomarkers in Adults With Obesity With or Without Type 2 Diabetes. Diabetes, Obesity and Metabolism, 2026. https://doi.org/10.1111/dom.71200